Texte

wer nach der römischen capitalis, wer nach mittelachse und versalien greift, enthüllt, dass er ein demonstrationsbedürfnis hat, um ein inneres vakuum zu verdecken.

Otl Aicher, 1988.

Quelle: Typographie. 3. Aufl. Lüdenscheid: Ernst & Son, 1995. S. 91.




einen text, der gar rechtsbündig gesetzt wäre, mit flatterndem zeilenanfang, fassen wir erst gar nicht an.

es ist eine ganz lapidare, aber wesentliche einsicht. wir legen bücher und drucksachen mit fließtext aus der hand, die nicht eine klare kante am zeilenanfang haben. also linksbündig sind. einen text, der gar rechtsbündig gesetzt wäre, mit flatterndem zeitenanfang, fassen wir erst gar nicht an.

Otl Aicher, 1988.

Quelle: Typographie. 3. Aufl. Lüdenscheid: Ernst & Son, 1995. S. 139.




Die Freiheit des Entwerfers liegt nicht am Rand seiner Aufgabe, sondern in deren Mittelpunkt.

Die Typographie ist nicht eine Kunst, obwohl sie im Dienst einer Aufgabe steht, sondern gerade deswegen. Die Freiheit des Entwerfers liegt nicht am Rand seiner Aufgabe, sondern in deren Mittelpunkt. Erst dann ist der Typograph frei, etwas Künstlerisches zu Ieisten, wenn er seine Aufgabe in allen ihren Teilen versteht und denkt. Und jede auf dieser Grundlage gefundene Lösung wird eine integrale sein, wird eine Einheit von Sprache und Schrift, von Inhalt und Form bilden.

Karl Gerstner, 1964.

Quelle: Programme entwerfen: statt Lösungen für Aufgaben Programme für Lösungen. 3. Ausgabe. Baden: Lars Müller, 2007. S. 58.




Alle Typen außer der Groteskschrift […] könnten eingeschmolzen werden.

Alle Typen außer der Groteskschrift, die dafür auch in der kleinsten Druckerei in allen Weite-, allen Fettegraden zur Verfügung stehen müßte, könnten eingeschmolzen werden. Die Groteskschrift ist unverschnörkelt einfach, klar, deutlich, bestens lesbar. Eine Schrift für Alle! Welche Einfachheit, welche Möglichkeiten der Ersparnis! Heute haben Druckereien tausende von Kilogramm an Schriftenmaterial und trotzdem nicht auch nur von einer Typenart die Gesamtfamilie. Einheitliches Schriftenmaterial ist die Grundlage der Entwicklung der typographischen Gestaltung.

Max Burchartz, 1926.

Quelle: Thesen zur Typografie. Aussagen zur Typografie im 20. Jahrhundert. Eschborn: Linotype GmbH, 1986. S. 23.




Rechtsbündiger Flattersatz kommt nur für kurze Texte wie Bildlegenden, Marginalien oder Überschriften in Frage, bei denen der Zeilenfall Zeile für Zeile bestimmt werden kann. Das Auge hat […] Mühe, den Zeilenanfang zu finden.

Rechtsbündiger Flattersatz kommt nur für kurze Texte wie Bildlegenden, Marginalien oder Überschriften in Frage, bei denen der Zeilenfall Zeile für Zeile bestimmt werden kann. Bei programmiertem Zeilenumbruch hingegen würde dem Zufall überlassen, welche Wörter zufällig herausspießen und das Auge anziehen. Das Auge hat in jedem Falle Mühe, den Zeilenanfang zu finden.

Hans Peter Willberg, 1997.

Quelle: Lesetypografie. 5. Auflage. Mainz: Verlag Hermann Schmidt, 2010. S. 89.




Ein wirklich gut gemachtes Buch ist nur von einer Elite als solches erkennbar.

Ein wirklich gut gemachtes Buch ist nur von einer Elite als solches erkennbar; die übergroße Mehrzahl der Leser empfindet seine exzeptionelle Qualität nur dumpf. Ein wirklich schönes Buch darf auch äußerlich ›nichts Besonderes‹, sondern soll ›nur‹ vollkommen sein.

Jan Tschichold, 1946.

Quelle: Graphik und Buchkunst. In: Typographische Monatsblätter (Bern), 13. Jg., Juli 1946, H. 7. S. 263.




[die europäische schrift] besteht aus zwei alphabeten, dem der römischen kapitalis und dem der karolingischen minuskel. dabei ist diese minuskel eine weiterentwicklung und verbesserung der kapitalis und hat deren schwächen und nachteile überwunden.

Otl Aicher, 1988.

Quelle: Typographie. 3. Aufl. Lüdenscheid: Ernst & Son, 1995. S. 54–55.




ich schreibe alles klein, denn ich spare damit zeit.

ich schreibe alles klein, denn ich spare damit zeit. außerdem: warum 2 alfabete, wenn eins dasselbe erreicht? Warum groß schreiben, wenn man nicht groß sprechen kann?

Herbert Bayer, 1926.

Quelle: Vier Geschäftsformulare in DIN-Norm. In: Offset, Buch- und Werbekunst (Leipzig), Nr. 7, 1926. S. 402.




Wenn die Typografie vom Inhalt ablenkt, wird sie zur störenden Dekoration.

Hans Peter Willberg, 1997.

Quelle: Lesetypografie. 5. Auflage. Mainz: Verlag Hermann Schmidt, 2010. S. 89.




regeln allein sind tot.

nun ist ein regelwerk natürlich noch keine garantie für eine kreative lösung. regeln allein sind tot. aber es ist noch nicht das schlechteste, sich brav an regeln zu halten, und seien sie noch so bescheiden, statt mit aller gewalt individualität zu demonstrieren.

Otl Aicher, 1988.

Quelle: Typographie. 3. Aufl. Lüdenscheid: Ernst & Son, 1995. S. 16.




eine geometrische schrift ist ein rückfall in den ästhetischen formalismus.

eine gute schrift kennt kein kreisrundes o oder ein a auf der basis eines gleichschenkligen dreiecks. eine geometrische schrift ist ein rückfall in den ästhetischen formalismus. eine lesbare und damit funktionelle schrift versucht, den schreib- und lesegewohnheiten des menschen gerecht zu werden.

Otl Aicher, 1991.

Quelle: Die Welt als Entwurf. Berlin: Ernst & Sohn, 1991. S. 91.




Flattersatz ohne Trennungen kann wegen der vielen zusammengesetzten Wörter im Deutschen und der dadurch entstehenden extrem großen Unterschiede der Zeilenlänge nicht eingesetzt werden.

Hans Peter Willberg, 1997.

Quelle: Lesetypografie. 5. Auflage. Mainz: Verlag Hermann Schmidt, 2010. S. 90.




zeichen einer humanen gesellschaft und einer humanen kommunikation sind sie nicht.

versalbuchstaben einer total verkünstellen schrift, die nur der geometrie ergeben ist, verbinden sich mit royaler mittelachse und höfischer symmetrie. eine solche gesinnung könnte man bei meßbüchern einer klerikalen hierarchie hinnehmen oder beim lebenslauf einer hochwohlgeborenen, von der vorsehung ausgewählten autoritat. zeichen einer humanen gesellschaft und einer humanen kommunikation sind sie nicht.

Otl Aicher, 1988.

Quelle: Typographie. 3. Aufl. Lüdenscheid: Ernst & Son, 1995. S. 91.




Freistehende Zwei- oder Drei-Buchstabenwörter am Ende deiner Zeile iritieren. Die Trennung von Namen, Lebensdaten und abgekürzten Vornamen oder ähnlichem sind unerträglich.

Hans Peter Willberg, 1997.

Quelle: Lesetypografie. 5. Auflage. Mainz: Verlag Hermann Schmidt, 2010. S. 90.




Bei Flattersatz besteht die Gefahr des Überspringens in die Nachbarspalte nicht, da der immer gleichmäßige Wortabstand gegenüber dem Zwischenschlag von vorneherein ausbalanciert werden kann.

Bei Flattersatz besteht die Gefahr des Überspringens in die Nachbarspalte nicht, da der immer gleichmäßige Wortabstand gegenüber dem Zwischenschlag von vorneherein ausbalanciert werden kann. Der Zwischenschlag kann geringer bemessen sein als bei Blocksatz, da er optisch größer wird.

Hans Peter Willberg, 1997.

Quelle: Lesetypografie. 5. Auflage. Mainz: Verlag Hermann Schmidt, 2010. S. 93.




Verbindliche Rezepte für Schriftmischungen können nicht gegeben werden. Das ist Sache des typografischen Feingefühl und der Schrifenkenntnis.

Hans Peter Willberg, 2009.

Quelle: Erste Hilfe in Typografie. Ratgeber für Gestaltung mit Schrift. 6. Auflage. Mainz: Verlag Hermann Schmidt Mainz, 2009. S. 25.




die letzte einheit der staben, wie auch die jeder geometrischen figur und aller kunstformen ist der einfache strich, die linie, gerade oder gebogen.

Walter Porstmann, 1920.

Quelle: Sprache und Schrift. Berlin: Verlag des Vereins Deutscher Ingenieure, 1920. S. 83.




welch kräfte werden gespart, wenn die schreibmaschine die grossen staben fallen lässt?

ist es etwa ökonomisch gleichgültig, ob der schriftsetzer sich nur mit der hälfte der lettern abzugeben hat, ob der guss der lettern durch die grosstaben belastet ist, ob lettermaterial brach liegt, ob raumersparnis bei der aufbewahrung der lettern, kürzerer arbeitsweg bei ihrer verwendung und verminderung an aufbewahrungsgerät eintritt, ob schliesslich bei der korrektur eine ständige quelle fehler und kosten bedingt! welch kräfte werden gespart, wenn die schreibmaschine die grossen staben fallen lässt?

Walter Porstmann, 1920.

Quelle: Sprache und Schrift. Berlin: Verlag des Vereins Deutscher Ingenieure, 1920. S. 70.




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