Texte

Typografischer Wert ist jedes Teilchen des Materials, also: Buchstabe, Wort, Textteil, Zahl, Satzzeichen, Linie, Signet, Abbildung, Zwischenraum, Gesamtraum.

Auch die textlich negativen Teile, die nichtbedruckten Stellen des bedruckten Papiers, sind typografisch positive Werte. Typografischer Wert ist jedes Teilchen des Materials, also: Buchstabe, Wort, Textteil, Zahl, Satzzeichen, Linie, Signet, Abbildung, Zwischenraum, Gesamtraum.

Kurt Schwitters, 1924.

Quelle: Thesen zur Typografie. Aussagen zur Typografie im 20. Jahrhundert. Eschborn: Linotype GmbH, 1986. S. 18.




Flattersatz ohne Trennungen kann wegen der vielen zusammengesetzten Wörter im Deutschen und der dadurch entstehenden extrem großen Unterschiede der Zeilenlänge nicht eingesetzt werden.

Hans Peter Willberg, 1997.

Quelle: Lesetypografie. 5. Auflage. Mainz: Verlag Hermann Schmidt, 2010. S. 90.




die letzte einheit der staben, wie auch die jeder geometrischen figur und aller kunstformen ist der einfache strich, die linie, gerade oder gebogen.

Walter Porstmann, 1920.

Quelle: Sprache und Schrift. Berlin: Verlag des Vereins Deutscher Ingenieure, 1920. S. 83.




einen text, der gar rechtsbündig gesetzt wäre, mit flatterndem zeilenanfang, fassen wir erst gar nicht an.

es ist eine ganz lapidare, aber wesentliche einsicht. wir legen bücher und drucksachen mit fließtext aus der hand, die nicht eine klare kante am zeilenanfang haben. also linksbündig sind. einen text, der gar rechtsbündig gesetzt wäre, mit flatterndem zeitenanfang, fassen wir erst gar nicht an.

Otl Aicher, 1988.

Quelle: Typographie. 3. Aufl. Lüdenscheid: Ernst & Son, 1995. S. 139.




Wenn die Legende als kleine selbständige Textgruppen beim Bild stehen, können sie darüber oder darunter, links oder rechts vom Bild, auf Linksachse, Rechtsachse oder auf Mitte stehen.

Wenn die Legende als kleine selbständige Textgruppen beim Bild stehen, können sie darüber oder darunter, links oder rechts vom Bild, auf Linksachse, Rechtsachse oder auf Mitte stehen. Der Abstand zum Bildrand muß optisch ausgegliechen werden, der Schrift entsprechend.

Hans Peter Willberg, 1997.

Quelle: Lesetypografie. 5. Auflage. Mainz: Verlag Hermann Schmidt, 2010. S. 269.




Überschriftzeilen werden nicht mit Blocksatz auf volle Satzbreite ausgetrieben.

Hans Peter Willberg, 1997.

Quelle: Lesetypografie. 5. Auflage. Mainz: Verlag Hermann Schmidt, 2010. S. 175.




Freistehende Zwei- oder Drei-Buchstabenwörter am Ende deiner Zeile iritieren. Die Trennung von Namen, Lebensdaten und abgekürzten Vornamen oder ähnlichem sind unerträglich.

Hans Peter Willberg, 1997.

Quelle: Lesetypografie. 5. Auflage. Mainz: Verlag Hermann Schmidt, 2010. S. 90.




Es wird die akzentuierte, betonte, unterstrichene, abgekürzte, bebilderte Schrift herrschen.

Wir müssen schnell lesen, wie knapp sprechen. Damit kann die fließende Schrift nicht mehr dominieren. Es wird die akzentuierte, betonte, unterstrichene, abgekürzte, bebilderte Schrift herrschen. Wie in der Sprache die Mitteilung, die Erklärung, der Aufruf, das Programm, das Kurzwort, das Stichwort. Das Plakat muß erfaßbar sein, wenn wir mit dem Auto vorbeifahren.

Josef Albers, 1926.

Quelle: Zur Ökonomie der Schriftform, in: Offset, Buch und Werbekunst (Leipzig), Nr. 7., 1926. S. 395.




es gibt allerdings nicht wenige, die wie napoleon die schachregeln ändern wollen, nur weil sie schlechte spieler sind.

freiheit in der typographie als regellose kunst ist aber das ende der typographie. andererseits, kein gesetz, kein regelwerk ist selbstzweck. es gibt keines, das nicht veränderbar wäre. es gibt allerdings nicht wenige, die wie napoleon die schachregeln ändern wollen, nur weil sie schlechte spieler sind. napoleon hat sich die spielzüge herausgenommen, die ihn immer siegen ließen. meistens ist es mangel an können, wenn man sich an festgelegten regeln stößt.

Otl Aicher, 1988.

Quelle: Typographie. 3. Aufl. Lüdenscheid: Ernst & Son, 1995. S. 16.




ein laut ein zeichen. warum zwei alfabete für ein wort, warum die doppelte menge zeichen, wenn die hälfte dasselbe erreicht?

Eine ausseordentliche Ersparnis würde durch die ausschliessliche Verwendung des kleinen Alphabets unter Ausschaltung aller Grossbuchstaben erreicht, eine Schreibweise, die von allen Neuerern der Schrift als unsere Zukunftsschrift empfohlen wird. Vgl. das Buch »Sprache und Schrift« von Dr. Porstmann, Beuth-Verlag, G. m. b. H., Berlin SW 19, Beuthstrasse 8. Preis Mark 5.25. – durch kleinschreibung verliert unsre schrift nichts, wird aber leichter lesbar, leichter lernbar, wesentlich wirtschaftlicher. warum für einen laut, z. b.a zwei zeichen A und a? ein laut ein zeichen. warum zwei alfabete für ein wort, warum die doppelte menge zeichen, wenn die hälfte dasselbe erreicht?

Jan Tschichold, 1925.

Quelle: Elementare Typographie. In: Typographische Mitteilungen. Zeitschrift des Bildungsverbandes der Deutschen Buchdrucker. Leipzig; Sonderheft ›elementare typographie‹, 22. Jg., Oktober 1925. Nachdruck: Mainz: Hermann Schmidt, 1986. S. 198.




Heute brauchen die massgeblichen Typographen sowohl die Grotesk als auch die Antiqua.

Heute brauchen die massgeblichen Typographen sowohl die Grotesk als auch die Antiqua, setzen Bücher sowohl symmetrisch als auch asymmetrisch, verwenden sowohl den freien Zeilenfall als auch den geschlossenen Satz. Alles ist stilistisch möglich, zeitgemäß möglich geworden. Geblieben sind nur noch offene Türen zum Einrennen.

Karl Gerstner, 1964.

Quelle: Programme entwerfen: statt Lösungen für Aufgaben Programme für Lösungen. 3. Ausgabe. Baden: Lars Müller, 2007. S. 58.




[…] es gibt auch gestaltete Unruhe.

Zur Illustrierung von Tschicholds früherer Position ein Zitat aus seinem Buch «Eine Stunde Druckgestaltung» von 1930: «Die Typografie mußte sowohl einfachere, klarer erfaßbare Aufbauformen (als den Mittelachsentitel) finden, als auch zugleich diese selbst optisch reizvoller und abwechslungsreicher gestalten. [...] Die Befreiung von den historischen Handschellen bringt völlige Freiheit in der Wahl der Mittel. [...] Auch ist es verkehrt, etwa (Ruhe) der Erscheinung allein als Zielder Gestaltung aufzustellen – es gibt auch gestaltete Unruhe. [...] Die außerordentliche Anpassungsfähigkeit der neuen Typografie an jeden denkbaren Zweck macht sie zu einer wesentlichen Erscheinung unserer Zeit. Sie ist keine Modeangelegenheit, sondern berufen, die Grundlage aller typografischen Weiterarbeit zu sein.»

Jan Tschichold, 1930.

Quelle: Sechs Essays zur Typografie, Schrift, Lesbarkeit. Zürich / Sulgen: Niggli, 1996. S. 126.




Die Typografie ist unlösbar mit der gesellschaftlichen und politischen Entwicklung verbunden.

Hans Peter Willberg, 2000.

Quelle: Typolemik / Typophilie: Streiflichter zur Typographical Correctness. Mainz: Verlag Hermann Schmidt, 2000. S. 203.




asymmetrie wurde modern, also pflegte man asymmetrie. daraus haben modische typographen den schluß gezogen, man könne schriften nach einer rechten kante ausrichten.

der kulturelle protest gegen den klassizismus kann auch zum blanken unsinn führen. man pflegte die asymmetrie, um das prinzip freiheit gegen die ordnungen des absolutismus ins feld zu führen. asymmetrie wurde modern, also pflegte man asymmetrie. daraus haben modische typographen den schluß gezogen, man könne schriften nach einer rechten kante ausrichten.

Otl Aicher, 1988.

Quelle: Typographie. 3. Aufl. Lüdenscheid: Ernst & Son, 1995. S. 139.




eine geometrische schrift ist ein rückfall in den ästhetischen formalismus.

eine gute schrift kennt kein kreisrundes o oder ein a auf der basis eines gleichschenkligen dreiecks. eine geometrische schrift ist ein rückfall in den ästhetischen formalismus. eine lesbare und damit funktionelle schrift versucht, den schreib- und lesegewohnheiten des menschen gerecht zu werden.

Otl Aicher, 1991.

Quelle: Die Welt als Entwurf. Berlin: Ernst & Sohn, 1991. S. 91.




Die Legende kann sich dem Satzspiegel respektive der Spalten- oder Bildbreite anpassen […].

Die Legende kann sich dem Satzspiegel respektive der Spalten- oder Bildbreite anpassen, sie kann aber auch hier die Zeilenlänge höchstens 60 bis 70 Zeichen betragen sollte.

Hans Peter Willberg, 1997.

Quelle: Lesetypografie. 5. Auflage. Mainz: Verlag Hermann Schmidt, 2010. S. 268.




Bilder

04-baenziger-hug-staatsoper-plakat

(Bänziger Hug)

Samuel Bänziger & Olivier Hug
Berneck, Schweiz
seit 2008
www.bänziger-hug.com

tags Abbildung, Antiquaschrift, Mittelachsensatz, Versalien

Boekje-08

(Lesley Moore)

Karin van den Brandt & Alex Clay
Amsterdam, Niederlande
seit 2004
www.lesley-moore.nl

tags Groteskschrift, Legende, Pagina

dy_03

(Fons Hickmann m23)

Gesine Grotrian-Steinweg & Fons Hickmann
Berlin, Deutschland
seit 2001
www.fonshickmann.com

tags Abbildung, Blocksatz, Groteskschrift, rechtsbündiger Flattersatz

83__nul_0-5

(Lesley Moore)

Karin van den Brandt & Alex Clay
Amsterdam, Niederlande
seit 2004
www.lesley-moore.nl

tags Abbildung, Groteskschrift, Legende

20_maskers-700px-01

(Atelier Carvalho Bernau)

Susana Carvalho & Kai Bernau
Den Haag, Niederlande
seit 2005
www.carvalho-bernau.com

tags Antiquaschrift, Titelei

SMCS_Folder2_spread2

(Experimental Jetset)

Marieke Stolk, Danny van den Dungen & Erwin Brinkers
Amsterdam, Niederlande
seit 1997
www.experimentaljetset.nl

tags Abbildung, Flattersatz, Groteskschrift, Spaltensatz, Überschrift

_MG_4442-2

(Vaguely Contemporary)

Sara Hartman & John McCusker
Berlin, Deutschland
New York, Vereinigte Staaten von Amerika
seit 0
www.vaguelycontemporary.com

tags Blocksatz, gedrehte Zeilen, Groteskschrift, Mittelachsensatz

pf08_8

(Studio Sport)

Ronnie Fueglister & Martin Stoecklin
Basel, Schweiz
Zürich, Schweiz
seit 2006
www.studiosport.in

tags Antiquaschrift, Schriftmischung, Unterstreichung

lehni-trueb_Cneai_17

(Lehni-Trüb)

Urs Lehni & Lex Trüb
Zürich, Schweiz
seit 2005
www.lehni-trueb.ch

tags Abbildung, geometrische Formen, Groteskschrift, Überschrift

02-baenziger-hug-tau-barao-hutter

(Bänziger Hug)

Samuel Bänziger & Olivier Hug
Berneck, Schweiz
seit 2008
www.bänziger-hug.com

tags Flattersatz, Groteskschrift, Überschrift

les-nuits-capitales_02

(FLAG)

Bastien Aubry & Dimitri Broquard
Zürich, Schweiz
seit 2002
www.flag.cc

tags Groteskschrift, Mittelachsensatz

13_ars_972

(NODE Berlin Oslo)

Anders Hofgaard, Serge Rompza, Dag-Henning Brandsæter & Andreas Rød Skilhagen
Berlin, Deutschland
Oslo, Norwegen
seit 2003
www.nodeberlin.com

tags Abbildung, Groteskschrift, Spaltensatz

lehni-trueb_Cneai_47

(Lehni-Trüb)

Urs Lehni & Lex Trüb
Zürich, Schweiz
seit 2005
www.lehni-trueb.ch

tags Verzeichnis

CKV

(Experimental Jetset)

Marieke Stolk, Danny van den Dungen & Erwin Brinkers
Amsterdam, Niederlande
seit 1997
www.experimentaljetset.nl

tags Flattersatz, gedrehte Zeilen, Groteskschrift

2AFN_card_back

(Experimental Jetset)

Marieke Stolk, Danny van den Dungen & Erwin Brinkers
Amsterdam, Niederlande
seit 1997
www.experimentaljetset.nl

tags Flattersatz, Groteskschrift, Versalien

ifa_09

(Fons Hickmann m23)

Gesine Grotrian-Steinweg & Fons Hickmann
Berlin, Deutschland
seit 2001
www.fonshickmann.com

tags Groteskschrift, Mittelachsensatz, Titelei, Versalien

04-2

(Aurèle Sack)

Lausanne, Schweiz
seit 2004
www.a--s.ch

tags Abbildung, Legende

Bulletin6

(Experimental Jetset)

Marieke Stolk, Danny van den Dungen & Erwin Brinkers
Amsterdam, Niederlande
seit 1997
www.experimentaljetset.nl

tags Flattersatz, Groteskschrift, Titelei, Versalien