Texte

Marginalien, meist am äußeren Rand neben dem Satzspiegel stehend, sind ein typografisch reizvolles Mittel, ergänzende Texte zuzuordnen.

Hans Peter Willberg, 1997.

Quelle: Lesetypografie. 5. Auflage. Mainz: Verlag Hermann Schmidt, 2010. S. 162.




Linien sind ein klassisches typografisches Gestaltungselement.

Linien sind ein klassisches typografisches Gestaltungselement. Sie werden als Kopflinien, manchmal in Verbindung mit den lebenden Kolumnentiteln, als gliedernde Trennungslinien, am Fuß der Seite und in vielen anderen Situationen eingesetzt; in voller Satzspiegelbreite oder verkürzt.

Hans Peter Willberg, 1997.

Quelle: Lesetypografie. 5. Auflage. Mainz: Verlag Hermann Schmidt, 2010. S. 146.




Die Faustregel für den Satz von Überschriften war immer, so viel Abstand zu lassen, wie ein i an Platz brauchen würde.

Die Faustregel für den Satz von Überschriften war immer, so viel Abstand zu lassen, wie ein i an Platz brauchen würde. Für bequemes Lesen von längeren Zeilen sollte der Wortabstand allerdings erheblich größer sein.

Erik Spiekermann, 2004.

Quelle: Über Schrift. Mainz: Verlag Hermann Schmidt Mainz, 2004. S. 133.




ein spiel ist ohne ordnungen nicht machbar. erst die spielregel macht das spiel. erst der, der sie beherrscht, erreicht seine freiheiten.

es gibt physische und physiologische ordnungen, ordnungen der natur, aber auch soziale und kulturelle ordnungen. eine mauer, die man schief hochzieht, fällt ein. eine schrift, die zu klein ist, kann man nicht lesen. ein spiel ist ohne ordnungen nicht machbar. erst die spielregel macht das spiel. erst der, der sie beherrscht, erreicht seine freiheiten. solche ordnungen sind nicht natur gegeben, sie sind gemacht.

Otl Aicher, 1988.

Quelle: Typographie. 3. Aufl. Lüdenscheid: Ernst & Son, 1995. S. 15.




Die einfachste Lösung ist immer noch weit verbreitet: handgeschrieben, mit Kreide auf der Tafel.

Bestimmte Schriften verbinden wir mit bestimmten Waren. Frische verlangt immer nach einer flüchtigen, handgeschriebenen Mitteilung, während Technik den kühlen, konstruierten Ausdruck braucht. Warme, weiche Waren passen gut zu abgerundeten Serifen, Vollwertnahrung am besten zu handgemachten, groben Konturen, und im seriösen Geldgewerbe nimmt man immer wieder gern die Schriften der Kupferstichzeit, denen man Ehrlichkeit und Solidität unterstellt. In vielen Fällen macht das alles Sinn. Im Gemüseladen und beim Fleischer ändern sich die Angebote und die Preise häufig und niemand will und kann ständig neue Schilder drucken. Die einfachste Lösung ist immer noch weit verbreitet: handgeschrieben, mit Kreide auf der Tafel. Leider hat nicht jeder Gemüsehändler eine lesbare oder gar attraktive Handschrift, was dann doch zum Fälschen per Grafikdesign einlädt: eine Schreib- oder Pinselschrift auswählen und das neue Schild schnell auf dem Laserdrucker im Hinterzimmer drucken. Weiß auf schwarz sieht dann aus wie die alte Schiefertafel, nur besser lesbar.

Erik Spiekermann, 2004.

Quelle: Über Schrift. Mainz: Verlag Hermann Schmidt Mainz, 2004. S. 163.




Heute brauchen die massgeblichen Typographen sowohl die Grotesk als auch die Antiqua.

Heute brauchen die massgeblichen Typographen sowohl die Grotesk als auch die Antiqua, setzen Bücher sowohl symmetrisch als auch asymmetrisch, verwenden sowohl den freien Zeilenfall als auch den geschlossenen Satz. Alles ist stilistisch möglich, zeitgemäß möglich geworden. Geblieben sind nur noch offene Türen zum Einrennen.

Karl Gerstner, 1964.

Quelle: Programme entwerfen: statt Lösungen für Aufgaben Programme für Lösungen. 3. Ausgabe. Baden: Lars Müller, 2007. S. 58.




Immerhin ist die Linie, die feine wie die kräftigere, ein dankbares und bequemes Element zur Gliederung […].

Immerhin ist die Linie, die feine wie die kräftigere, ein dankbares und bequemes Element zur Gliederung, in ihrer Wirkung der waagrecht laufenden Schriftzeile ebenso verwandt wie entgegengesetzt. Sie verschafft sich Geltung, ohne sich vorzudrängen, schließt hier mit Entschiedenheit ab und leitet dort, einem Zeilenfall angepaßt, aufs verbindlichste über. Auch als Senkrechte, mehr oder weniger kräftig, erfüllt sie eine wichtige Funktion.

Josef Käufer, 1956.

Quelle: Das Setzerlehrbuch. Die Grundlagen des Schriftsatzes und seiner Gestaltung. 3. Auflage. Stuttgart: Otto Blersch, 1965. S. 289.




[…] das Problem, der Antiqua zu gesteigerter Homogenität zu verhelfen, ist ernst und schwierig genug. Hier ist Arbeit für die Zukunft.

[...] das Problem, der Antiqua zu gesteigerter Homogenität zu verhelfen, ist ernst und schwierig genug. Hier ist Arbeit für die Zukunft.

Konrad Friedrich Bauer, 1927.

Quelle: Zukunft der Schrift. In: Klimschs Druckerei-Anzeiger (Frankfurt a. M.), 54. Jg., 1927, H. 56. S. 1330.




Eine Überschrift benötigt immer etwas Raum um sich.

Eine Überschrift benötigt immer etwas Raum um sich. Man muß sich entscheiden, ob wan ihr den Raum von 2, 3 oder mehr Zeilen zubilligen will. Innerhalbdieses Raumes steht die Überschrift so, daß sie deutlich dem beginnenden Absatz zugehörig ist, aber nicht an ihm klebt.

Josef Käufer, 1956.

Quelle: Das Setzerlehrbuch. Die Grundlagen des Schriftsatzes und seiner Gestaltung. 3. Auflage. Stuttgart: Otto Blersch, 1965. S. 192.




Diese Groteskschriften sind die ›Natur‹, zu der wir zurückkehren müssen; sie bedeuten uns dasselbe, was dem modernen Architekten die Ingenieurbauten sind.

Eine Schrift, die diesem Zeitgefühl entspricht, müßte also exakt, präzis und unpersönlich sein. Sie müßte sich sinnvoll und ohne Umschweife als das darstellen, was sie ist. Ist sie Drucktype, so darf sie keine Schreibschrift nachahmen wollen. Unsere Druckschrift ist der maschinelle Abdruck maschinell hergestellter Metallettern, die mehr Lesezeichen sind als Schrift. Unsere Drucktype ist keine Ausdrucksbewegung, wie es die Handschrift ist; alle von links nach rechts drängende Dynamik, alles Breiter- und Schmalerwerden, das erst durch die geschnittene Rohr-oder Kielfeder in die Schrift hineingenommen ist, hat bei der Drucktype keinen Sinn. Wir müssen endlich einmal die Konsequenzen aus der Erfindung des Letterngusses ziehen. Diesen Forderungen unseres heutigen Formgefühles entspricht am ehensten das Bild der Groteskschriften, also der jüngsten Schrift der organischen, vom Künstler nicht gestörten Schriftentwicklung. Diese Groteskschriften sind die ›Natur‹, zu der wir zurückkehren müssen; sie bedeuten uns dasselbe, was dem modernen Architekten die Ingenieurbauten sind. Gelingt es uns, diesen Stoff zu bewältigen, dieser ›Natur‹ als Künstler Herr zu werden, so werden wir die Schrift unserer Zeit gefunden haben.

Paul Renner, 1927.

Quelle: Die Schrift unserer Zeit. In: Die Form. Zeitschrift für gestaltende Arbeit (Berlin), 2. Jg., 1927, Nr. 2. S. 110.




Überschriftzeilen werden nicht mit Blocksatz auf volle Satzbreite ausgetrieben.

Hans Peter Willberg, 1997.

Quelle: Lesetypografie. 5. Auflage. Mainz: Verlag Hermann Schmidt, 2010. S. 175.




Kapitälchen dürfen nicht durch Verkleinerung von Versalien, sogenannte falsche Kapitälchen, imitiert werden.

Hans Peter Willberg, 1997.

Quelle: Lesetypografie. 5. Auflage. Mainz: Verlag Hermann Schmidt, 2010. S. 83.




ich schreibe alles klein, denn ich spare damit zeit.

ich schreibe alles klein, denn ich spare damit zeit. außerdem: warum 2 alfabete, wenn eins dasselbe erreicht? Warum groß schreiben, wenn man nicht groß sprechen kann?

Herbert Bayer, 1926.

Quelle: Vier Geschäftsformulare in DIN-Norm. In: Offset, Buch- und Werbekunst (Leipzig), Nr. 7, 1926. S. 402.




Der Umkehrfall mit einer scharfen rechten und einer flatternden linken Seite heißt rechtsbündiger Flattersatz und ist aufgrund der unterschiedlichen Zeilenanfänge viel schwerer zu lesen.

Der Umkehrfall mit einer scharfen rechten und einer flatternden linken Seite heißt rechtsbündiger Flattersatz und ist aufgrund der unterschiedlichen Zeilenanfänge viel schwerer zu lesen. Man benutzt ihn meist nur, wenn seine besondere grafische Wirkung wichtig ist, z.B. für Beischriften und Untertitel in Kombination mit Abbildungen.

Indra Kupferschmidt, 2002.

Quelle: Buchstabenkommenseltenallein. Ein typografisches Werkstattbuch. 3. Aufl. Weimar: Universitätsverlag, 2002. S. 69.




Es ist eine Sache, ob Bilder einem Text zugeordnet oder untergeordnet werden, und eine andere, ob sie allein für sich sprechen sollen, mit nur geringer Unterstützung oder Begleitung durch Texte, seien es erklärende Legenden oder parallellaufende selbständige Texte.

Hans Peter Willberg, 1997.

Quelle: Lesetypografie. 5. Auflage. Mainz: Verlag Hermann Schmidt, 2010. S. 279.




Unter allen vorhandenen Schriftarten ist die sogenannte ›Grotesk‹ […] die einzige, die unserer Zeit geistig gemäß ist.

Alle Schriftformen, deren Wesen durch zum Skelett hinzutretende Ornamente (Schraffuren bei der Antiqua, Rauten und Rüssel bei der Fraktur) entstellt ist, entsprechen nicht unserem Streben nach Klarheit und Reinheit. Unter allen vorhandenen Schriftarten ist die sogenannte ›Grotesk‹ oder Blockschrift (die richtige Bezeichnung wäre Skelettschrift) die einzige, die unserer Zeit geistig gemäß ist.

Jan Tschichold, 1928.

Quelle: Die Neue Typographie: Ein Handbuch für zeitgemäss Schaffende. Berlin: Verlag des Bildungsverbandes der deutschen Buchdrucker, 1928. 2. Aufl. Berlin: Brinkmann & Bose, 1987. S. 75.




Wenn es nur für normale Versalien reicht, dann bitte wenignstens etwas weiter setzen. Allerdings sind Kapitälchen natürlich die beste Lösung – kleine Großbuchstaben.

Wenn es nur für normale Versalien reicht, dann bitte wenignstens etwas weiter setzen. Allerdings sind Kapitälchen natürlich die beste Lösung – kleine Großbuchstaben. Falls mal keine Kapitälchen mehr da sind, sehen etwas kleinere Versalien besser als größere.

Erik Spiekermann, 1982.

Quelle: Ursache & Wirkung. Ein typografischer Roman. Erlangen: Context Verlag, 1982. S. 28.




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