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Ein wichtiges Moment bei der Lesbarkeit ist eben auch die Gewöhnung – wir wehren uns gefühlsmässig noch heute gegen auch nur gemäßigte Kleinschreibung, selbst wenn wir bei rationalem Überlegen dafür sind.
Moholy-Nagy nennt die «Iineare, gedankenmitteilende Typographie» ein «(Not-)Glied zwischen dem Inhalt der Mitteilung und dem aufnehmenden Menschen». Es geht immer darum, verbale Inhalte näherzubringen, das Lesen zu erleichtern. Mit der radikalen Kleinschreibung, in der von 1925 an die Bauhausdrucksachen (Abb.1) gesetzt wurden (und die Max Bill zeitlebens praktiziert hat), wollte man dies erreichen. Für die Anwender war es vielleicht eine Vereinfachung, für die Leser sicher nicht vorbehaltlos. Ein wichtiges Moment bei der Lesbarkeit ist eben auch die Gewöhnung – wir wehren uns gefühlsmässig noch heute gegen auch nur gemäßigte Kleinschreibung, selbst wenn wir bei rationalem Überlegen dafür sind.
Quelle: Sechs Essays zur Typografie, Schrift, Lesbarkeit. Zürich / Sulgen: Niggli, 1996. S. 8.
Sparsam mit Schriftmischungen!
Quelle: Das Setzerlehrbuch. Die Grundlagen des Schriftsatzes und seiner Gestaltung. 3. Auflage. Stuttgart: Otto Blersch, 1965. S. 281.
Der Umkehrfall mit einer scharfen rechten und einer flatternden linken Seite heißt rechtsbündiger Flattersatz und ist aufgrund der unterschiedlichen Zeilenanfänge viel schwerer zu lesen.
Der Umkehrfall mit einer scharfen rechten und einer flatternden linken Seite heißt rechtsbündiger Flattersatz und ist aufgrund der unterschiedlichen Zeilenanfänge viel schwerer zu lesen. Man benutzt ihn meist nur, wenn seine besondere grafische Wirkung wichtig ist, z.B. für Beischriften und Untertitel in Kombination mit Abbildungen.
Quelle: Buchstabenkommenseltenallein. Ein typografisches Werkstattbuch. 3. Aufl. Weimar: Universitätsverlag, 2002. S. 69.
einen text, der gar rechtsbündig gesetzt wäre, mit flatterndem zeilenanfang, fassen wir erst gar nicht an.
es ist eine ganz lapidare, aber wesentliche einsicht. wir legen bücher und drucksachen mit fließtext aus der hand, die nicht eine klare kante am zeilenanfang haben. also linksbündig sind. einen text, der gar rechtsbündig gesetzt wäre, mit flatterndem zeitenanfang, fassen wir erst gar nicht an.
Quelle: Typographie. 3. Aufl. Lüdenscheid: Ernst & Son, 1995. S. 139.
Gute Manieren sind, auch im Gebrauch von Schrift, selten.
Quelle: Erfreuliche Drucksachen durch gute Typographie. Eine Fibel für jedermann. Ravensburg: Otto Maier, 1960. 3. Aufl. Augsburg: MaroVerlag, 1996. S. 7.
Versalien sollten nur selten angewandt werden.
Versalien sollten nur selten angewandt werden. Versalien sind in größeren Mengen schwer lesbar; schon zwei Zeilen aus dem gleichen Grad untereinander wirken oft undeutlich.
Quelle: Erfreuliche Drucksachen durch gute Typographie. Eine Fibel für jedermann. Ravensburg: Otto Maier, 1960. 3. Aufl. Augsburg: MaroVerlag, 1996. S. 66.
Mit Feinarbeit und genügender Zeilenbreite bildet der Blocksatz ein ruhiges, harmonisches (fast einschläferndes) Satzbild.
Mit Feinarbeit und genügender Zeilenbreite bildet der Blocksatz ein ruhiges, harmonisches (fast einschläferndes) Satzbild, das vor allem für die klassische, symmetrische Buchtypografie der letzten 500 Jahre steht.
Kapitälchen dürfen nicht durch Verkleinerung von Versalien, sogenannte falsche Kapitälchen, imitiert werden.
Quelle: Lesetypografie. 5. Auflage. Mainz: Verlag Hermann Schmidt, 2010. S. 83.
Schriftmischungen sind beschränkt, das heißt, es können nicht wahllos irgendwelche Schriften nebeneinander verwendet werden.
Quelle: Sechs Essays zur Typografie, Schrift, Lesbarkeit. Zürich / Sulgen: Niggli, 1996. S. 146.
In der Architektur ist es wie in der Typografie: zeitlos heißt oft nichts anders als langweilig.
Quelle: Ursache & Wirkung. Ein typografischer Roman. Erlangen: Context Verlag, 1982. S. 44.
Zu feine Linien verbinden sich nicht mit dem Schriftbild; sie wirken wie ein Schnitt.
Unterstreichung in einer Linienstärke, die dem Schriftbild angepaßt ist. Zu feine Linien verbinden sich nicht mit dem Schriftbild; sie wirken wie ein Schnitt.
Quelle: Lesetypografie. 5. Auflage. Mainz: Verlag Hermann Schmidt, 2010. S. 135.
Im Flattersatz wird selten getrennt, und es werden ›schöne‹ Trennungen gesucht.
Quelle: Detailtypografie. Nachschlagewerk für alle Fragen zu Schrift und Satz. 4. Auflage. Mainz: Verlag Hermann Schmidt Mainz, 2008. S. 152.
wer nach der römischen capitalis, wer nach mittelachse und versalien greift, enthüllt, dass er ein demonstrationsbedürfnis hat, um ein inneres vakuum zu verdecken.
Quelle: Typographie. 3. Aufl. Lüdenscheid: Ernst & Son, 1995. S. 91.
zeichen einer humanen gesellschaft und einer humanen kommunikation sind sie nicht.
versalbuchstaben einer total verkünstellen schrift, die nur der geometrie ergeben ist, verbinden sich mit royaler mittelachse und höfischer symmetrie. eine solche gesinnung könnte man bei meßbüchern einer klerikalen hierarchie hinnehmen oder beim lebenslauf einer hochwohlgeborenen, von der vorsehung ausgewählten autoritat. zeichen einer humanen gesellschaft und einer humanen kommunikation sind sie nicht.
Flattersatz hat wegen der gleichmäßigen Wortabstände immer ein ruhiges Satzbild, aber er ist sensibel, er stellt höhere Anforderungen an den Zeilenumbruch als Blocksatz.
Quelle: Lesetypografie. 5. Auflage. Mainz: Verlag Hermann Schmidt, 2010. S. 90.
[…] es gibt auch gestaltete Unruhe.
Zur Illustrierung von Tschicholds früherer Position ein Zitat aus seinem Buch «Eine Stunde Druckgestaltung» von 1930: «Die Typografie mußte sowohl einfachere, klarer erfaßbare Aufbauformen (als den Mittelachsentitel) finden, als auch zugleich diese selbst optisch reizvoller und abwechslungsreicher gestalten. [...] Die Befreiung von den historischen Handschellen bringt völlige Freiheit in der Wahl der Mittel. [...] Auch ist es verkehrt, etwa (Ruhe) der Erscheinung allein als Zielder Gestaltung aufzustellen – es gibt auch gestaltete Unruhe. [...] Die außerordentliche Anpassungsfähigkeit der neuen Typografie an jeden denkbaren Zweck macht sie zu einer wesentlichen Erscheinung unserer Zeit. Sie ist keine Modeangelegenheit, sondern berufen, die Grundlage aller typografischen Weiterarbeit zu sein.»
Quelle: Sechs Essays zur Typografie, Schrift, Lesbarkeit. Zürich / Sulgen: Niggli, 1996. S. 126.
es gibt allerdings nicht wenige, die wie napoleon die schachregeln ändern wollen, nur weil sie schlechte spieler sind.
freiheit in der typographie als regellose kunst ist aber das ende der typographie. andererseits, kein gesetz, kein regelwerk ist selbstzweck. es gibt keines, das nicht veränderbar wäre. es gibt allerdings nicht wenige, die wie napoleon die schachregeln ändern wollen, nur weil sie schlechte spieler sind. napoleon hat sich die spielzüge herausgenommen, die ihn immer siegen ließen. meistens ist es mangel an können, wenn man sich an festgelegten regeln stößt.
Quelle: Typographie. 3. Aufl. Lüdenscheid: Ernst & Son, 1995. S. 16.
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