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Unsymmetrischer Satz ist nicht besser als symmetrischer; er ist nur anders.

Unsymmetrischer Satz ist nicht besser als symmetrischer; er ist nur anders. Es gibt elenden unsymmetrischen und vollendeten Mittelachsensatz, wie es Aufgaben gibt, die für symmetrischen Satz ungeeignet sind, während andere symmetrisch besser als unsymmetrisch gelöst werden können.

Jan Tschichold, 1960.

Quelle: Erfreuliche Drucksachen durch gute Typographie. Eine Fibel für jedermann. Ravensburg: Otto Maier, 1960. 3. Aufl. Augsburg: MaroVerlag, 1996. S. 68.




Bei Flattersatz stehen Spaltenlinien vor der Linksachse der Kolumnen, die sich an ihnen wiean einer Fahnenstange festhalten.

Bei Flattersatz stehen Spaltenlinien vor der Linksachse der Kolumnen, die sich an ihnen wie an einer Fahnenstange festhalten.

Hans Peter Willberg, 1997.

Quelle: Lesetypografie. 5. Auflage. Mainz: Verlag Hermann Schmidt, 2010. S. 93.




Eine Überschrift benötigt immer etwas Raum um sich.

Eine Überschrift benötigt immer etwas Raum um sich. Man muß sich entscheiden, ob wan ihr den Raum von 2, 3 oder mehr Zeilen zubilligen will. Innerhalbdieses Raumes steht die Überschrift so, daß sie deutlich dem beginnenden Absatz zugehörig ist, aber nicht an ihm klebt.

Josef Käufer, 1956.

Quelle: Das Setzerlehrbuch. Die Grundlagen des Schriftsatzes und seiner Gestaltung. 3. Auflage. Stuttgart: Otto Blersch, 1965. S. 192.




Es wird die akzentuierte, betonte, unterstrichene, abgekürzte, bebilderte Schrift herrschen.

Wir müssen schnell lesen, wie knapp sprechen. Damit kann die fließende Schrift nicht mehr dominieren. Es wird die akzentuierte, betonte, unterstrichene, abgekürzte, bebilderte Schrift herrschen. Wie in der Sprache die Mitteilung, die Erklärung, der Aufruf, das Programm, das Kurzwort, das Stichwort. Das Plakat muß erfaßbar sein, wenn wir mit dem Auto vorbeifahren.

Josef Albers, 1926.

Quelle: Zur Ökonomie der Schriftform, in: Offset, Buch und Werbekunst (Leipzig), Nr. 7., 1926. S. 395.




Der Umkehrfall mit einer scharfen rechten und einer flatternden linken Seite heißt rechtsbündiger Flattersatz und ist aufgrund der unterschiedlichen Zeilenanfänge viel schwerer zu lesen.

Der Umkehrfall mit einer scharfen rechten und einer flatternden linken Seite heißt rechtsbündiger Flattersatz und ist aufgrund der unterschiedlichen Zeilenanfänge viel schwerer zu lesen. Man benutzt ihn meist nur, wenn seine besondere grafische Wirkung wichtig ist, z.B. für Beischriften und Untertitel in Kombination mit Abbildungen.

Indra Kupferschmidt, 2002.

Quelle: Buchstabenkommenseltenallein. Ein typografisches Werkstattbuch. 3. Aufl. Weimar: Universitätsverlag, 2002. S. 69.




ein spiel ist ohne ordnungen nicht machbar. erst die spielregel macht das spiel. erst der, der sie beherrscht, erreicht seine freiheiten.

es gibt physische und physiologische ordnungen, ordnungen der natur, aber auch soziale und kulturelle ordnungen. eine mauer, die man schief hochzieht, fällt ein. eine schrift, die zu klein ist, kann man nicht lesen. ein spiel ist ohne ordnungen nicht machbar. erst die spielregel macht das spiel. erst der, der sie beherrscht, erreicht seine freiheiten. solche ordnungen sind nicht natur gegeben, sie sind gemacht.

Otl Aicher, 1988.

Quelle: Typographie. 3. Aufl. Lüdenscheid: Ernst & Son, 1995. S. 15.




Gleiches gleich behandeln!

Hans Peter Willberg, 1997.

Quelle: Lesetypografie. 5. Auflage. Mainz: Verlag Hermann Schmidt, 2010. S. 195.




Je fetter die unterstreichende Linie, desto ›lauter‹ die Auszeichnung.

Hans Peter Willberg, 1997.

Quelle: Lesetypografie. 5. Auflage. Mainz: Verlag Hermann Schmidt, 2010. S. 135.




Schriftmischungen sind eine Frage des Typografischen Fingerspitzengefühls. Feste Regeln gibt es nicht.

Hans Peter Willberg, 1997.

Quelle: Lesetypografie. 5. Auflage. Mainz: Verlag Hermann Schmidt, 2010.




In der Architektur ist es wie in der Typografie: zeitlos heißt oft nichts anders als langweilig.

Erik Spiekermann, 1982.

Quelle: Ursache & Wirkung. Ein typografischer Roman. Erlangen: Context Verlag, 1982. S. 44.




Die Legende kann sich dem Satzspiegel respektive der Spalten- oder Bildbreite anpassen […].

Die Legende kann sich dem Satzspiegel respektive der Spalten- oder Bildbreite anpassen, sie kann aber auch hier die Zeilenlänge höchstens 60 bis 70 Zeichen betragen sollte.

Hans Peter Willberg, 1997.

Quelle: Lesetypografie. 5. Auflage. Mainz: Verlag Hermann Schmidt, 2010. S. 268.




Die Frage bei der Wahl der Satzart heißt nicht: was gefällt mir?, sondern: welche Form ist für diesen Text richtig?

Hans Peter Willberg, 1997.

Quelle: Lesetypografie. 5. Auflage. Mainz: Verlag Hermann Schmidt, 2010. S. 89.




Blocksatz verhält sich dem Inhalt gegenüber wertfrei.

Erik Spiekermann, 1982.

Quelle: S. 90.




Sie demontierten die Regeln, indem sie sie ignorierten, sie ignorierten sie, weil sie sie gar nicht kannten – nicht kennen wollten.

Daneben (Berufen der Setzer und Drucker) standen nun die Dichter, Maler und Architekten und laborierten unbelastet von technischen Unzulänglichkeiten und gestalterischen Normen und Regeln an einer neuen typografischen Konzeption. Ihr Blick auf die Welt, ihre Sicht der Dinge war weit genug, um auch noch die Typografie ihrem Arbeitsbereich zuzuschlagen. Sie fragten übrigens die Setzer und Drucker nicht lange, ob sie willkommen seien. Sie demontierten die Regeln, indem sie sie ignorierten, sie ignorierten sie, weil sie sie gar nicht kannten – nicht kennen wollten.

Hans Rudolf Bosshard, 1996.

Quelle: Sechs Essays zur Typografie, Schrift, Lesbarkeit. Zürich / Sulgen: Niggli, 1996. S. 126-128. .




ein laut ein zeichen. warum zwei alfabete für ein wort, warum die doppelte menge zeichen, wenn die hälfte dasselbe erreicht?

Eine ausseordentliche Ersparnis würde durch die ausschliessliche Verwendung des kleinen Alphabets unter Ausschaltung aller Grossbuchstaben erreicht, eine Schreibweise, die von allen Neuerern der Schrift als unsere Zukunftsschrift empfohlen wird. Vgl. das Buch »Sprache und Schrift« von Dr. Porstmann, Beuth-Verlag, G. m. b. H., Berlin SW 19, Beuthstrasse 8. Preis Mark 5.25. – durch kleinschreibung verliert unsre schrift nichts, wird aber leichter lesbar, leichter lernbar, wesentlich wirtschaftlicher. warum für einen laut, z. b.a zwei zeichen A und a? ein laut ein zeichen. warum zwei alfabete für ein wort, warum die doppelte menge zeichen, wenn die hälfte dasselbe erreicht?

Jan Tschichold, 1925.

Quelle: Elementare Typographie. In: Typographische Mitteilungen. Zeitschrift des Bildungsverbandes der Deutschen Buchdrucker. Leipzig; Sonderheft ›elementare typographie‹, 22. Jg., Oktober 1925. Nachdruck: Mainz: Hermann Schmidt, 1986. S. 198.




Rechtsbündiger Flattersatz kommt nur für kurze Texte wie Bildlegenden, Marginalien oder Überschriften in Frage, bei denen der Zeilenfall Zeile für Zeile bestimmt werden kann. Das Auge hat […] Mühe, den Zeilenanfang zu finden.

Rechtsbündiger Flattersatz kommt nur für kurze Texte wie Bildlegenden, Marginalien oder Überschriften in Frage, bei denen der Zeilenfall Zeile für Zeile bestimmt werden kann. Bei programmiertem Zeilenumbruch hingegen würde dem Zufall überlassen, welche Wörter zufällig herausspießen und das Auge anziehen. Das Auge hat in jedem Falle Mühe, den Zeilenanfang zu finden.

Hans Peter Willberg, 1997.

Quelle: Lesetypografie. 5. Auflage. Mainz: Verlag Hermann Schmidt, 2010. S. 89.




Kapitälchen dürfen nicht durch Verkleinerung von Versalien, sogenannte falsche Kapitälchen, imitiert werden.

Hans Peter Willberg, 1997.

Quelle: Lesetypografie. 5. Auflage. Mainz: Verlag Hermann Schmidt, 2010. S. 83.




einen text, der gar rechtsbündig gesetzt wäre, mit flatterndem zeilenanfang, fassen wir erst gar nicht an.

es ist eine ganz lapidare, aber wesentliche einsicht. wir legen bücher und drucksachen mit fließtext aus der hand, die nicht eine klare kante am zeilenanfang haben. also linksbündig sind. einen text, der gar rechtsbündig gesetzt wäre, mit flatterndem zeitenanfang, fassen wir erst gar nicht an.

Otl Aicher, 1988.

Quelle: Typographie. 3. Aufl. Lüdenscheid: Ernst & Son, 1995. S. 139.