Texte

Ein wichtiges Moment bei der Lesbarkeit ist eben auch die Gewöhnung – wir wehren uns gefühlsmässig noch heute gegen auch nur gemäßigte Kleinschreibung, selbst wenn wir bei rationalem Überlegen dafür sind.

Moholy-Nagy nennt die «Iineare, gedankenmitteilende Typographie» ein «(Not-)Glied zwischen dem Inhalt der Mitteilung und dem aufnehmenden Menschen». Es geht immer darum, verbale Inhalte näherzubringen, das Lesen zu erleichtern. Mit der radikalen Kleinschreibung, in der von 1925 an die Bauhausdrucksachen (Abb.1) gesetzt wurden (und die Max Bill zeitlebens praktiziert hat), wollte man dies erreichen. Für die Anwender war es vielleicht eine Vereinfachung, für die Leser sicher nicht vorbehaltlos. Ein wichtiges Moment bei der Lesbarkeit ist eben auch die Gewöhnung – wir wehren uns gefühlsmässig noch heute gegen auch nur gemäßigte Kleinschreibung, selbst wenn wir bei rationalem Überlegen dafür sind.

Hans Rudolf Bosshard, 1996.

Quelle: Sechs Essays zur Typografie, Schrift, Lesbarkeit. Zürich / Sulgen: Niggli, 1996. S. 8.




einen text, der gar rechtsbündig gesetzt wäre, mit flatterndem zeilenanfang, fassen wir erst gar nicht an.

es ist eine ganz lapidare, aber wesentliche einsicht. wir legen bücher und drucksachen mit fließtext aus der hand, die nicht eine klare kante am zeilenanfang haben. also linksbündig sind. einen text, der gar rechtsbündig gesetzt wäre, mit flatterndem zeitenanfang, fassen wir erst gar nicht an.

Otl Aicher, 1988.

Quelle: Typographie. 3. Aufl. Lüdenscheid: Ernst & Son, 1995. S. 139.




Initialien haben zweierlei Funktionen: Eine schmückende – das betriff die großen, oft ornamentierten oder bildhaften Initialen am Textbeginn – und eine gliedernde.

Hans Peter Willberg, 1997.

Quelle: Lesetypografie. 5. Auflage. Mainz: Verlag Hermann Schmidt, 2010. S. 189.




Glaube an keine Regel, die du nicht geprüft hast, verwirf aber auch keine ungeprüfte. Es gibt zwar unsinnige, aber auch viele gut begründete Satzregeln.

Hans Peter Willberg, 2000.

Quelle: Typolemik / Typophilie: Streiflichter zur Typographical Correctness. Mainz: Verlag Hermann Schmidt, 2000. S. 131.




Marginalien sind aktiver als Fußnoten; man kann und soll sie nicht überlesen. Aber auch Fußnoten können marginal angeordnet werden.

Hans Peter Willberg, 1997.

Quelle: Lesetypografie. 5. Auflage. Mainz: Verlag Hermann Schmidt, 2010. S. 162.




Wenn die Typografie vom Inhalt ablenkt, wird sie zur störenden Dekoration.

Hans Peter Willberg, 1997.

Quelle: Lesetypografie. 5. Auflage. Mainz: Verlag Hermann Schmidt, 2010. S. 89.




Zwei oder mehrere auf einer Buchseite nebeneinanderstehende Textspalten sind eine typographische Einheit. Sie müssen als Ganzes gesehen werden.

Zwei oder mehrere auf einer Buchseite nebeneinanderstehende Textspalten sind eine typographische Einheit. Sie müssen als Ganzes gesehen werden. Das gilt vor allem für das Verhältnis des Zwischenschlags zu den Ausgangs-›Leerzeilen‹.

Hans Peter Willberg, 1997.

Quelle: Lesetypografie. 5. Auflage. Mainz: Verlag Hermann Schmidt, 2010. S. 92.




Typografie kann unter Umständen Kunst sein.

Kurt Schwitters, 1924.

Quelle: Thesen zur Typografie. Aussagen zur Typografie im 20. Jahrhundert. Eschborn: Linotype GmbH, 1986. S. 18.




Selbst mit schöner Schrift aber wird man häßliche Typographie machen, wenn man von ihrer Anordnung nichts versteht.

Jan Tschichold, 1960.

Quelle: Erfreuliche Drucksachen durch gute Typographie. Eine Fibel für jedermann. Ravensburg: Otto Maier, 1960. 3. Aufl. Augsburg: MaroVerlag, 1996. S. 8.




Über Typographie lassen sich unzählige Gesetze schreiben. Das Wichtigste ist: Mach es niemals so, wie es jemand vor Dir gemacht hat. Oder man kann auch sagen: mach es stets anders, als es die anderen machen.

Kurt Schwitters, 1924.

Quelle: Wo der Buchstabe das Wort führt. Ansichten über Schrift und Typographie. Ostfildern: Hatje & Cantz, 1994. S. 99.




Er ist am wirtschaftlichsten zu setzen und am mühelosesten zu lesen.

Unsere gewohnte Satzart, der Blocksatz, präziser gesagt: der ausgeschlossene Satz, bei dem alle Zeilen gleich lang, dafür aber die Wortabstände unterschiedlich groß sind, ist durch fünf Jahrhunderte Lesegewohnheit zur Norm geworden. Er ist am wirtschaftlichsten zu setzen und am mühelosesten zu lesen. Dennoch taugt er nicht immer, vor allem nicht bei kürzeren Zeilen.

Hans Peter Willberg, 1997.

Quelle: Lesetypografie. 5. Auflage. Mainz: Verlag Hermann Schmidt, 2010. S. 90.




Ob der Name des Autors, der Titel des Buches, der Untertitel und sogar der Verlag als geschlossene Gruppe, womöglich in einem Schriftgrad gesetzt werden können oder ob sie typographisch unterschieden und räumlich getrennt sein sollen, ist eine Frage der typographischen Weltanschauung und nicht der typographischen Gestaltung.

Hans Peter Willberg, 1997.

Quelle: Lesetypografie. 5. Auflage. Mainz: Verlag Hermann Schmidt, 2010. S. 317.




Nicht verschiedene Schriftfamilien miteinander kombinieren.

Josef Müller-Brockmann, 1961.

Quelle: Gestaltungsprobleme des Grafikers. Gestalterische und erzieherische Probleme in der Werbegrafik - die Ausbildung des Grafikers. Teufen: Niggli, 1961. S. 13.




Je fetter die unterstreichende Linie, desto ›lauter‹ die Auszeichnung.

Hans Peter Willberg, 1997.

Quelle: Lesetypografie. 5. Auflage. Mainz: Verlag Hermann Schmidt, 2010. S. 135.




Wer nicht versucht hat, zu weit zu gehen, wird nicht weit kommen.

Hans Peter Willberg, 2000.

Quelle: Typolemik / Typophilie: Streiflichter zur Typographical Correctness. Mainz: Verlag Hermann Schmidt, 2000. S. 185.




Im Flattersatz wird selten getrennt, und es werden ›schöne‹ Trennungen gesucht.

Friedrich Forssman, 2002.

Quelle: Detailtypografie. Nachschlagewerk für alle Fragen zu Schrift und Satz. 4. Auflage. Mainz: Verlag Hermann Schmidt Mainz, 2008. S. 152.




Man beachte den Hinweis, daß aus ökonomischen Gründen alles klein geschrieben werde.

Herbert Bayer, Briefblatt, 1925. Kreise, Pfeile, fette Punkte und andere Elementarformen sollten funktional sein und die Lesbarkeit fördern. Man beachte den Hinweis, daß aus ökonomischen Gründen alles klein geschrieben werde.

Hans Rudolf Bosshard, 1996.

Quelle: Sechs Essays zur Typografie, Schrift, Lesbarkeit. Zürich / Sulgen: Niggli, 1996. S. 6.




Schriftmischungen sind eine Frage des Typografischen Fingerspitzengefühls. Feste Regeln gibt es nicht.

Hans Peter Willberg, 1997.

Quelle: Lesetypografie. 5. Auflage. Mainz: Verlag Hermann Schmidt, 2010.